Hoaxes - Viren, die keine sind

Seit Jahren kursieren sie im Internet: Warnungen vor Viren, die es gar nicht gibt. Die meisten Internet-Surfer kennen diese Nachrichten schon. Sie haben vielsagende Titel wie zum Beispiel "Good Times", "ein kleines Mädchen braucht Hilfe", "Penpal Greetings", "Make more Money". Alle diese Nachrichten, Mails genannt, haben einen ähnlich lautenden Inhalt: Sie warnen vor Viren und fordern auf, die Mails an alle Bekannten weiterzuschicken.

Die Mails haben inzwischen einen eigenen Namen: Hoax, vom lateinischen Wort hocus: Ulk, Schabernack. Die Warnungen haben keinen ernstzunehmenden Hintergrund. Die Mails, vor denen gewarnt wird, existieren meist gar nicht. Den eigentlichen Virus stellen die Warnungs-Mails selbst dar. Sie richten erheblichen Schaden dadurch an, daß sie Menschen verunsichern und Arbeitszeit binden.

Frank Ziemann beschreibt auf seiner Homepage, wie man einen Hoax erkennt:

  1. Der Betreff enthält oft das Wort "Virus-Warnung" oder sinnverwandtes.
  2. Der Adressat wird aufgefordert, die vermeintliche Warnung an möglichst viele Menschen weiterzuleiten.
  3. Die Wirkung des Virus wird sehr drastisch dargestellt.
  4. Häufig wird als Quelle eine namhafte Firma oder Organisation genannt, um die Glaubwürdigkeit zu untermauern.
Howard Fuhs versucht auf seiner Internet-Homepage den wirtschaftlichen Schaden einer solchen Warnungs-Mail zu berechnen. Nimmt man an, daß 1000 Angestellte einer Firma einen Hoax in ihrem elektronischen Postfach finden, treten mehrere Schäden auf. Erstens: Der Hoax mußte aus dem Internet in das Firmen-Netzwerk übertragen werden, was die Firma zu bezahlen hat. Zweitens: Wenn die 1000 Mitarbeiter die Nachricht lesen, vergehen ungefähr 2000 Minuten Arbeitszeit - 33 Stunden oder drei Arbeitstage - laut Howard Fuhs ein betriebswirtschaftlicher Schaden von über 100.000 Mark. Das sind natürlich theoretische Werte: Ein Drittel löscht die Nachricht, das zweite Drittel ruft die EDV-Hotline an und fragt nach: 330 Anrufe in der Hotline, die sich nicht mehr um andere Themen kümmern kann und dadurch ineffizient arbeitet. Das restliche Drittel schickt die Warnung an Bekannte weiter und verursacht in deren Firmen den gleichen Schaden.

Fazit: Durch das bloße Empfangen und auch das Lesen einer Textnachricht kann auf keinen Fall ein Virus aktiv werden. Vorsicht ist dagegen bei angehängter Software geboten: Darin kann sich sehr wohl ein Virus verstecken. Und davor schützen Sie sich - ganz normal - mit Anti-Viren-Programmen. Wer UNIX (Linux, Solaris usw.) oder OS/2 benutzt, ist dabei fein raus: Viren sind hier (praktisch) unbekannt. Scannen nicht nötig.

Wenn Sie also einen Hoax erhalten, leiten Sie ihn einfach nicht weiter, sondern löschen Sie ihn. Am besten vergessen Sie die ganze Sache sofort.


Die Rhein-Zeitung schreibt zu diesem Thema:


Elektronische Form der altmodischen Kettenbriefe:

"Hoaxes" kursieren seit Jahren im Web

Falsche Viruswarnungen verunsichern vor allem Neulinge

Der Inhalt der E-Mail klingt dramatisch: Es sei ein "praktisch tödlicher" Computervirus im Umlauf, der die Festplatte löscht, heißt es. Der Virus komme per Mail, und diese dürfe auf keinen Fall geöffnet werden. Die Warnung solle der Adressat so schnell wie möglich an alle Bekannten weiterleiten. Wer dieser Aufforderung nachkommt, ist jedoch einem so genannten Hoax, einer elektronischen Ente, aufgesessen.

Hoaxes kursieren schon seit Jahren im Cyberspace und schaffen es immer wieder, E-Mail-Nutzer zu verunsichern. Frank Ziemann von der Technischen Universität Berlin kann ein Lied davon singen. Er hat sich die Aufklärung über Hoaxes zur Aufgabe gemacht und ausführliche Informationen zu diesem Thema im Internet veröffentlicht. Täglich treffen 50 bis 100 Anfragen per Mail bei ihm ein, sagt Ziemann. Seiner Ansicht nach fallen insbesondere Internet-Neulinge häufig auf die Falschmeldungen herein.

Aufbau im Prinzip immer gleich

Der Aufbau eines Hoaxes ist im Prinzip stets derselbe, lediglich der Name des vermeintlichen Virus' variiert. Im Betreff steht meist "Viruswarnung" oder ein ähnlicher Begriff. Die Mail informiert über einen neuen Virus, der verheerenden Schaden anrichte. Als Quelle für die Warnung werden oft große Unternehmen, wie Microsoft und AOL, oder Behörden wie die US-Bundespolizei FBI angegeben. Das Charakteristischste aber ist die Aufforderung, die Warnung sofort weiter zu verbreiten. Darin liegt nach Ziemanns Ansicht der eigentliche Schaden, den Hoaxes anrichten: Sie belasten E-Mail-Server mit unnötigem Datenverkehr und binden Arbeitszeit.

Seit dem Auftauchen des ersten dokumentierten Hoaxes namens "Good Times" Anfang der 90er Jahre haben sich die vermeintlichen Virenmeldungen nur in Details gewandelt, sich gewissermaßen an aktuelle Trends angepasst. Ein gutes Beispiel dafür ist - die TV-Show "Big Brother" lässt grüßen - die Warnung vor dem Bildschirmschoner-Programm "Zlatko.exe", die zur Vorspiegelung von Glaubwürdigkeit mit der Dienstadresse eines Mitarbeiters der Deutschen Telekom versehen ist.

Quelle immer gefälscht

Aber auch Klassiker, wie zum Beispiel "Win a Holiday", sind noch im Umlauf. "Es kann vorkommen, dass man innerhalb von zum Beispiel zwei Jahren ein und dieselbe Mail vier Mal erhält und immer vor dem gleichen Virus gewarnt wird, der 'erst gestern' entdeckt wurde", sagt Andre Post, der in der Forschungsabteilung des Anti-Viren-Software-Herstellers Symantec in Leiden arbeitet. Da die falschen Warnungen allein schon auf Grund ihres stereotypen Aufbaus leicht zu identifizieren sind, rät Post ebenso wie alle anderen Experten: "Wenn Sie eine solche Mail erhalten, ignorieren Sie diese einfach." Allenfalls der Absender solle darüber informiert werden, dass er einem Hoax aufgesessen ist. Weder Anti-Viren-Spezialisten noch Computerkonzerne verbreiten Warnungen vor neuen Computerviren im Kettenbriefverfahren, wie Post betont. Die Quelle, die einen Hoax seriös erscheinen lassen soll, sei also immer gefälscht.

Angebliche Gewinnspiele

Ähnlich verhält es sich mit Ketten-Mails, die über angebliche Gewinnspiele oder ähnliches informieren. Bill Gates zahlt 1.000 Dollar, Nokia verschenkt WAP-Handys oder Disney World eine All-Inclusive-Reise - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch E-Mail-Petitionen, die zum Beispiel behaupten, ein krebskrankes Kind erhalte für jede weitergeleitete Mail einen bestimmten Betrag von einer Stiftung, sind frei erfunden. Es handelt sich um nichts anderes als eine elektronische Form der altmodischen Kettenbriefe, "die wir schon in der Grundschule erhalten haben", erklärt Hoax-Experte Ziemann. Sein Rat: "Finger weg von Kettenbriefen" - auch im Internet.

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